Nachtrag von Neuseeland: Hitchhiking

Hitchhiking bzw. Autos anhalten und damit zum nächsten Ziel transportiert zu werden, ist etwas, dass ich schon immer einmal ausprobieren wollte. Wie ihr ja wisst, war ich die letzten Tage in Paihia, auf der Nordinsel von Neuseeland. Ich entschloss mich, die restliche Zeit die mir in Neuseeland bleibt, auf eine etwas andere Art und Weise zu genießen. Weg von dem Touristenbus hin zum Hitchhiking und meiner Meinung nach ist Neuseeland das sicherste Land dafür.

Ich traf mich um 10 Uhr früh nach dem auschecken von meinem Hostel mit Sascha – einem Deutschen – um mich ihm beim Auto stoppen anzuschließen. Er ist ungefähr gleich lange wie ich in Neuseeland unterwegs und hat bis jetzt seine gesamte Reise als Hitchhiker bestritten. Definitiv eine reizvolles und abenteuerliche Art zu reisen!

Hitchhiking – Tipps vom Profi

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Wir gingen raus aus dem Ort Paihia um eine Stelle zu finden, an der man mit dem Auto gut stehen bleiben kann und wir gut ersichtlich sind. Ich ließ mich von ihm in die Begebenheiten des Autostoppens einweihen und gebe dies hiermit an euch weiter: Immer so stehen, dass du gut gesehen wirst und an einer Stelle, an der der Autofahrer gut anhalten kann. Unsere beiden großen Tramping-Rucksäcke stellten wir auf die Seite, auch gut ersichtlich. Dahinter versteckten wir unsere beiden kleineren Rucksäcke – Daypacks – damit es nicht nach zu viel Gepäck aussieht. Nun ging es los: Sonnenbrille runternehmen und auf den Straßenrand stellen, den Daumen raushalten und gaaaannnzzz freundlich lächeln. 10 Minuten und 12 Autos später, hielt das erste Auto an. Achja, ich habe ganz vergessen zu erwähnen, wohin es eigentlich gehen soll. Wir wollten von der Ost- an die Westküste an einem Ort der Omapere heißt. Um nächsten Tag wollten wir weiter zu einem Kauri Baum zu fahren, der ganz abgelegen in einem Wald zu begutachten ist. Über diesen Baum ist zu sagen, dass er der größte Neuseelands ist und 1.500  bis 2.200 Jahre alt ist.

Hitchhiking Fahrt Nummer 1

In dem ersten Auto das anhielt, waren zwei junge Männer, etwa in unserem Alter. Ganz ehrlich, hätte ich mich von ihnen sicher ferngehalten, würde ich alleine reisen. Mit einem leicht zögernden Gefühl, stiegen wir aber dennoch ein. Ich hatte zwar leichtes Bauchkribbeln, aber dennoch war ich mir soweit sicher, dass wir uns auf eine Fahrt mit den zwei Burschen einlassen konnten. Sie nahmen uns ungefähr 10 Minuten mit und ließen uns dann auf einer großen Kreuzung aussteigen. Sie gaben uns noch einen Tipp mit, wo wir uns am besten als Nächstes hinstellen sollten. Wir widersetzten uns zuerst deren Ratschlag, weil wir uns nicht sicher waren, ob das der beste Tipp war. Nach einer halben Stunde weiterem Autostoppen, entschieden wir uns doch deren Ratschlag anzunehmen. Wir gingen die Straße ein Stück weiter, um an einer eher schwach befahrenen Straße unser Glück zu versuchen.

Hitchhiking Fahrt Nummer 2

Fünf Minuten und nur wenige Autos später nahm uns ein Belgier mit, der seit 5 Jahren in Neuseeland lebt. Ein netter sympathischer Mann, der uns einiges über Land und Leute und seine eigene Lebensgeschichte erzählte. Nun landeten wir in einem Ort namens Kaikohe. Endlich eine Gegend, die vom Tourismus keine Spur hatte und wo einem richtige Maoris entgegenkamen. Wir gingen bis ans Endes des Ortes und nach gefühlten 3 Minuten hielt das nächste Auto an. Sowas muss man einfach gesehen haben, richtige Maoris, ein Ehepaar um die 50ig.

Wie richtige Maoris – die Ureinwohner Neuseelands – aussehen? Hier eine Beschreibung von dem netten Mann, der sich am Steuer befand: Groß, gut gefüllter Bauchspeck, dunkle Haut, ich nehme an überall tätowiert (man konnte nur seine Hände sehen), Dreadlocks (die nicht wie solche aussahen, sondern eher danach, dass er sich einfach lange Zeit die Haare nicht gewaschen hatte und das dann nach einer Zeit verfilzt war und bis kurz über den Schultern ging), Kleidung, die nicht wie frisch gewaschen aussah, ein richtiges neuseeländisches Ureinwohner-Englisch und das Auto hatte einen leicht komischen Geruch.

Wir fuhren eine halbe Stunde bis zu dem Ort Rawene mit. Von dort aus gingen wir einige Minuten zu einer halbwegs guten Stelle auf einer absolut schlechten Straße, was den Verkehr anging. Das war deswegen so, weil der Ort zu dem wir wollten, wahrscheinlich mit Abstand das ruhigste Fleckchen Erde ist, das es gibt. Hier mussten wir einige Zeit warten, da selten ein Auto vorbei kam. Wir machten uns in der Zwischenzeit über ein gekochtes Ei her, das den ersten großen Hunger stillen sollte. Wie lange wir diesmal warteten weiß ich gar nicht, waren es 15 oder 25 Minuten oder eine halbe Stunde? Sei es, wie es sei…

Hitchhiking Fahrt Nummer 3

Es hielt schließlich wieder ein Auto an und diesmal waren es zwei junge, sympathische Männer unseres Alters. Sie mussten in denselben Ort wie wir und die Fahrtzeit betrug noch ungefähr 10 Minuten. Der eine war ein echter Kiwi (also Neuseeländer). Seine Eltern kommen aus Sri Lanka, was man seiner Hautfarbe entnehmen konnte. Der andere war Brasilianer, der seit 5 Jahren in Neuseeland lebt. Es war eine sehr nette Fahrt und wir verstanden uns alle vier auf Anhieb gut. Beide leben eigentlich in Auckland, sind aber hier hergekommen, um auf eine Hochzeit zu gehen und verbanden dies mit fünf Tagen Urlaub.

Alles in allem waren wir an diesem Tag von 10 Uhr morgens bis 13:30 Uhr unterwegs und legten 145 Kilometer zurück. Angekommen in dem Ort Omapere, gingen wir zuerst mit unserer Mitfahrgelegenheit in deren Unterkunft, tranken etwas und wurden schließlich für später zum Abendessen eingeladen.

Angekommen in Omapere

Wir hatten noch etwa drei Stunden Zeit bis es Zeit fürs Dinner war und so bezogen wir in der Zwischenzeit unsere Unterkunft, luden unsere Sachen ab und machten es uns gemütlich. Der Ort, in dem wir landeten, war absolut traumhaft schön und ruhig und die Unterkunft spricht für sich. Ein wenig erhoben auf einem Hügel gelegen, mit Blick aufs Meer, mit zwei Hängematten vor der Terrasse. Ich zog meine Schuhe aus, nahm mir ein Buch zur Hand und legte mich in einer der Hängematten. Lesen, die frische Luft einatmen, zwischendurch den Wellengang lauschen und den Vögeln beim Singen zuhören. Nach zwei Stunden relaxen machten wir uns auf dem Weg zum Dinner. Es gab Lamm mit Salat und einige Drinks. Nach einigen Profiterols und etwas Eis später sahen wir uns zwei Filme an und ließen den Abend gemeinsam ausklingen. Wenn ich mir etwas unbedingt von meiner Reise mitnehmen möchte, dann ist es die Gastfreundlichkeit der Neuseeländer. Österreich ist ein wahnsinnig toller Teil dieser Erde, aber was die Gastfreundlichkeit und die allgemeine Freundlichkeit und vor allem Offenheit anderen Menschen gegenüber  angeht, können wir uns ein großes Stück davon abschneiden.

Ich lies den Abend für mich bei sternenklarem Nachthimmel, den Geräuschen verschiedenster Grillen, Kleintierchen und Wellenrauschen (das beruhigender nicht hätte sein können) in der Hängematte liegend ausklingen.

Das war ein absolut perfekter Tag, mit meiner ersten Hitchhiking Erfahrung und einer angenehmen Reisebegleitung.



1 Comment
  • Stefan
    Posted at 15:29h, 30 April Antworten

    Na wer läßt idhc denn auch schon stehen?! 😉
    Aber echt cool, dass du da solche Offenheit erfahren durftest.

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