Die Andamanen, im Paradies angekommen (Teil I)

Die Andamanen ist eines der letzten Inselparadiese auf unsere Erde, ohne Massentourismus.

Wieso versteht sich von selbst. Dort hin zu gelangen ist kein Kinderspiel. Entweder du nimmst ein Boot, das 4 bis 5 Tage fährt und alles andere als eine Spazierfahrt ist oder du buchst dir einen überteuerten Flug. Zusätzlich kommst du um ein extra Visa und eine beschränkte Aufenthaltsgenehmigung nicht herum.

Ankunft auf den Andamanen in Port Blair

Port Blair ist der Hauptanbindungspunkt aller Boote. Von dort fuhr ich gleich weiter auf die Little Andamanen. Die südlichste aller Inseln ist acht Stunden entfernt und ich bezahlte schlappe 0,40 Euro und war als Alleinreisende die einzig weiße Touristin auf diesem Boot. Ich verbrachte fünf Tage auf dieser Trauminsel und mit mir sechs andere Touristen. Wegen der langen Anfahrt, der oft gecancelten Boote und der vielen Krokodile, trauen sich nur wenige Touristen her. Nach so langem Reisen erscheint mir allerdings vieles einfacher. Inzwischen erschüttert mich weniger, keiner kann mich mehr übers Ohr hauen, im Verhandeln bin ich bereits Profi und eine 20-stündige Weiterreise ist für mich ein Klacks. Daher fing ich an, mich nach neuen Abenteuern umzuschauen.

Wie schon erwähnt, war ich im Boot die einzige Weiße neben vielen Indern. Die Sitze waren allesamt sehr unbequem. Nachdem ich in den letzten Tagen nicht viel geschlafen hatte, war mein sehnlichster Wunsch mich hinzulegen. Ich saß in der ersten Reihe und als ich mich nach einer halben Stunde nach Start des Bootes umdrehte, war das zuvor noch fast voll besetzte Boot plötzlich leer. Wie kam das? Ich saß direkt neben der Tür und hätte nicht bemerkt, dass so viele Menschen den Raum verlassen hatten? Ein genauerer Blick und ich entdeckte, dass es sich die Inder am Boden zum Schlafen bequem machten. Ich überlegte nicht lange, holte mein Strandtuch heraus, legte es auf dem harten Betonboden auf, rückte mir mein Daypack als Kopfpolster zurecht und verschwand im Träumeland. Wow, ich hatte schon lange nicht mehr so gut geschlafen. Drei Stunden schlief ich wie ein Baby.

Ankunft auf den Little Andamanen

Ich stieg von der Fähre und war im Paradies angekommen. Das war es, was ich all die letzten Wochen und Monate vermisste: Der Geruch nach frischem Grün. Dies fand ich hier in Hülle und Fülle. Ich wurde mit einem Jeep abgeholt und von der Bootsanlegestelle auf die gegenüberliegende Seite der Insel, zu einer der beiden Unterkünfte die es auf der Insel gibt, gebracht. Wahnsinn! Das Wort trifft es am besten. Es herrschte absolute Ruhe und Harmonie. Alles war grüner als grün und die saubere Luft war ein Traum. Palmen, Sträucher, alle möglichen Arten von Bäumen und daneben der Strand und das abgöttisch schöne Meer. Auf dem Weg mit dem Jeep zur Unterkunft kamen mir oft verstohlen die Tränen. Ich konnte es nicht fassen wie schön es hier war. Diese Luft, Ruhe, Harmonie. Ich war im Paradies angekommen und war mir vom ersten Moment an sicher, dass das mein absoluter Lieblingsplatz auf der bis jetzt erkundeten Erde ist. 🙂

Nach einer kurzen Verschnaufpause, machte ich mich auf zum Strand. Dafür überquerte ich die Straße, ging ein paar Meter durch den Dschungel und da war er. Der menschenleere Strand. Feiner Sand und ein berauschendes Meer. Einfach großartig! Diese Insel ist noch dazu sehr einfach gehalten, es gibt kein Internet, keinen Handy-Empfang, nicht viel Auswahl an Einkaufsmaterialien, Aktivitäten oder Ausgehmöglichkeiten. Eine naturbelassene Insel ohne viel Schnick Schnack, genau das wonach mir war und was ich suchte. Ich verbrachte meine Tage mit schwimmen, lesen und dem Erkunden der Insel.

Von den Andamanen nach Neil Island

Nach der südlichsten Insel der Andamanen zog ich weiter auf Neil Island, eine kleine Insel nahe Port Blair. Auf dieser Insel brauchte ich ein, zwei Tage, um mit ihr warm zu werden. Nach dem zweiten Tag hatte ich mich auch in diese Insel verliebt. Ich nahm mir ein Rad und erkundete die einzelnen Strände und die schöne Landschaft. Traumhaft. Wieder diese Harmonie, die ich spürte. Ich fuhr durch die Gegend, Autos gibt es hier keine… Nur vereinzelnd sah ich Motorräder, fuhr an Feldern vorbei, an denen die Einheimischen gelassen arbeiten. Kühe und Ziegen stehen daneben und grasen, der Hund läuft übers Feld. Trotz Hitze hatte ich Gänsehaut und genoss den Anblick, der sich rund um mich breit machte.

Übernachten auf den Andamanen 

Ich nahm mir eine kleine Hütte aus Palmenblätter, für schlappe 100 Ruphia (1,40 Euro) am Tag (bis jetzt meine günstigste Unterkunft). Nicht dass du denkst, die Inseln hier sind preiswert, nein leider nicht. Die Unterkunftspreise sind höher als sonst wo, aber auf die Verhandlungstechnik kommt es an.

Nach den ersten beiden Tagen waren wir eine nette Gruppe von zwei Österreichern, einer Deutschen, einem Schweden, einem Holländer, einer Slowakin, einem Israeli, einem Südafrikaner und meiner Wenigkeit. Das waren im Groben alle weißen Touristen auf dieser Insel. Wir gingen gemeinsam schnorcheln, Mittagessen, grillten unseren eigenen Fisch bei einem Lagerfeuer zum Abendessen, spielten Karten. Ich genoss die Zeit und die Gesellschaft sehr. Nach sechs Tagen, die viel zu schnell vergingen, reiste ich weiter, um Weihnachten und Silvester auf der „touristischsten“ Insel der Andamanen zu verbringen, nämlich Havelock.

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4 Comments
  • Michi H.
    Posted at 14:38h, 09 Januar Antworten

    Wow einfach nur geil, ich sitzt da in da Arbeit beim ärgsten sauwetter, während du auf den schönsten Stränden der Welt die Seele baumeln lässt. Ich freu mich sehr für dich. Hoff du erlebst auf den Philippinen ähnlich schöne und aufregende Stunden. Alles Liebe und noch weitere atemberaubende Abenteuer. Mit den besten Grüßen. Michi

  • Survival International
    Posted at 11:59h, 30 April Antworten

    Boykottaufruf zu Reisen auf die Andamanen

    Die Jarawa sind ein indigenes Volk auf den Andamanen, dessen Vorfahren wohl schon seit Zehntausenden von Jahren auf den Inseln leben. Doch eine Straße, die Andaman Trunk Road, durchläuft illegal in ihrem Gebiet.

    Jeden Monat reisen Tausende Touristen aus Indien und anderen Teilen der Welt entlang der Straße und behandeln die Jarawa dabei wie Tiere in einem Safaripark. Manche Reiseanbieter forderten die Jarawa sogar im Tausch gegen Süßigkeiten und Kekse auf, für die Touristen zu tanzen.

    „Ich fühle mich nicht gut dabei. Ich mag es nicht, wenn sie Fotos aus ihren Autos schießen,“ erklärte ein Jarawa.

    Bitte unterstützt die Jarawa und boykotiertt die Straße, bis die Behörden die entwürdigenden Menschensafaris stoppen und eine alternative Route bereitstellen!

    Für weitere Informationen: http://www​.survivali​nternation​al.de/nach​richten/92​04

  • ulli maier
    Posted at 11:35h, 20 August Antworten

    kann alles nur bestätigen, andamanen sind super und ich werde da bald wieder hinfahren….

    • Christina Strasser
      Posted at 17:58h, 20 August Antworten

      Toll dass du auch schon dort warst. Kenne nur wenige die dort waren bzw die Inseln überhaupt kennen. Ich würde auch sofort wieder hinfahren. 🙂

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